16.12.2010, 15:44 Uhr
Dunhill Flake 2010 | überzeugende Rückkehr !!

Legenden gibt es bekanntlich nicht nur in Hollywood. Bei legendären Tabaken finden wir -anders als in der Welt des Zelluloid- häufig die Situation, dass sie wiederbelebt werden. Und die Tabakgemeinde schreit auf: im günstigen Fall schmeckt die Wiedergeburt wie das ach so lang vermisste Original, für andere wieder liegt die Neuschöpfung völlig daneben, ganz euphorische Gourmets finden diese Kreation besser als den oder die Vorgänger. Schön das es so ist, denn sonst würden die Neuzeitversionen von Legenden wie Nightcap, Early Morning Pipe, Escudo und vielen anderen wohl nur noch unkommentiert und unbestritten reinen oder gar keinen Genuss verschaffen.

Die Kontroverse ist beim soeben wieder aufgelegten Dunhill Flake vorherzusehen. Da wir uns bereits im Besitz einiger Dosen befinden -der Tabak wird wohl erst in wenigen Wochen im deutschen Fachhandel angeboten- , haben wir einen Vergleichstest des brandneuen 2010er mit zwei seiner Vorgänger durchgeführt: dem Dunhill Flake von Murray`s (Dose ca. 1998-2000) und dem Dunhill Flake von Orlik aus dem Jahre 2005, der letzten Variante, die um 2007 herum eingestellt wurde.

Alle drei Varianten sind naturreine Virgina Flakes, bei denen reifer Virginia als Flakescheiben mehrfach gepresst und in der Pressung lange gelagert wird, was zu einer naturreinen, dunklen Süße führt, die keinerlei künstlicher Aromatisierung bedarf. Das ist unverändert beim 2010er der Fall. Weder optisch (feine, akkurat geschnittene Flakescheiben - im 2005er stehen sie aufrecht in der kleinen 50g Dose - beim 2010er liegen sie nebeneinander in der neuen flachen Rechteckdose) gibt es im Mischungsbild einen Unterschied. Beide Tabake haben nicht einmal eine farbliche Differenz. Der Trockengeruch ist ebenfalls völlig identisch, trotz des Altersunterschieds von gut 5 Jahren.



Beide Flakes sind bei Orlik hergestellt und es handelt sich mit Sicherheit um den gleichen Blender. Kräftiger Geruch nach Pflaume mit einem Hauch von Zitrone ist die vorherrschende Geruchsnote. Da der Tabak naturrein ist, fehlen aufdringliche oder gar stechende Aromanuancen. Mit Knick/Falt füllen wir den perfekt konditionierten 2010er in eine 4111 Dunhill Cumberland und eine 3er oder höchstes 4er erscheint uns die ideale Größe für den Flake, dessen Geruch zunächst auf eine ziemliche Stärke schliessen läßt.

Nach dem Anbrand allerdings verliert sich sofort das Trockenaroma und nach wenigen Zügen - und das ist aussergewöhnliche am 2010er Flake im Vergleich zu ähnlichen Virgina Flakes -gibt der Tabak einen kräftigen, dennoch weichen, vollmundigen Virginiageschmack ab, der sich bei langsamen Rauchen komplett erhält. Ein leichter Pflaumengeschmack - eine typisch dunkle Geschmacksnuance reifer, satter Virginias- ist stets vorhanden. Keine Abweichungen in der Mitte oder zum Schluß - schlichtweg perfekter Geschmack von Anfang bis Ende. Das spricht eindeutig für die Kunst des Blenders und für die Qualität der verwendeten Komponenten und letztlich des Herstellungsprozesses. Der Dunhill Flake 2010 ist weniger kräftig als zunächst vermutet, aber auch kein Leichtgewicht, deshalb auch die Empfehlung der Kopfgröße. Er bedarf beim Abbrand für den geübten Flakeraucher keinerlei Aufmersamkeit und läßt lediglich hellweiße Asche übrig. Kondensat ist fast keines entstanden, die Pfeife bleibt bis in den Holm nahezu trocken. Gleiches gilt im übrigen auch für den 2005er Vorgänger.

Beide Tester, immerhin Pfeifenraucher seit Jahrzehnten, waren nicht in der Lage, auch nur den geringsten Unterschied zwischen der 2005er und der neuen 2010er Version festzustellen. Wohl aber steht das Urteil über den neuen Probanten fest: ein absoluter Premiumtabak, der mit einem unvergleichlichen, eigenständigem Aroma gepaart mit ebenso herausragendem Rauchverhalten aufwartet. Für den Liebhaber naturreiner, mittelkräftiger Virginia Flakes ist dieser Tabak ein Muß.

Einer der Tester hat ein neues Triumvirat für die einsame Insel gefunden: Escudo, Huber Balkan und nun - endlich wieder - den Dunhill Flake.

Und wie schnitt nun der Murray`s ab? Leider kann er aufgrund seines hohen Alters nicht in einen fairen Vergleichstest einbezogen werden. Der Geruch nach öffnen der Dose war zunächst ein gänzlich anderer. Kräftiger, dunkler und mit einer etwas stechenden Zitronen (Nelken?) Note versehen.
Nach dem anzünden benötigte er etwas "Betriebstemperatur", um dann aber mit nikotanstarker, gewaltiger Geschmacksentfaltung voll da zu sein. Die Geschmacksabgabe schien eine andere zu sein, denn zum Ende hin wurde er noch kräftiger und biß ein wenig. Verwunderlich, da alte Tabake in der Regel weicher im Geschmack werden. Vielleicht aber spielte sich das nur im Kopf des Testers ab, der zuvor den neuen Flake ausgiebig geraucht hatte. Und der ist so überzeugend gut, dass die erwartete oder erhoffte überragende Position des "Vintage" ein wenig verblassen mußte. Was soll`s, es gibt ihn eh nicht mehr und der Dunhill Flake 2010 läßt kein Bedauern darüber aufkommen.

Dunhill Flake
naturreiner Virgina
Preis in D: 50 g -flache Rechteckdose- 12,50 €


Orlik
Orlik gehört zur Scandinavian Tobacco Group (STG), diese ist der weltgrößte Hersteller von Pfeifentabak und der zweitgrösste Hersteller von Zigarren. Entgegen landläufiger Meinung gehört STG nicht zu British American Tobacco (BAT), sondern hat im Jahr 2007 lediglich die Pfeifentabake von BAT übernommen. Seit Oktober 2010 sind mit 51% die Skandinavisk Holding A/S und die schwedische Swedish Match mit 49% die Anteilseigner der STG. Umsartz in 2009 MEUR 322. STG Brands: u.a. Stanwell, Orlik (WO Larsen, Erinmore, Richmond, Clan, Dunhill und andere)



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