26.04.2011, 10:01 Uhr
Peter Heinrichs | ein Mittelpunkt im Fachhandel

Das Kölner Fachgeschäft Peter Heinrichs hat sich in 2009 erweitert. Die Liebhaber von erlesenen Handmade Pfeifen finden hier ein mehr als reichhaltiges Angebot. Außerdem ist das Gesamtkonzept um ein sehr umfangreiches Sortiment an raren und ausgezeichneten Spirituosen bereichert worden. Auch aus diesem Anlass führten wir ein Gespräch mit dem Inhaber, Herrn Peter Heinrichs.



PUM: Herr Heinrichs, das Jahr 2008 war für Sie und Ihr Unternehmen etwas ganz Besonderes: zum einen konnten Sie das Jubiläum "100 Jahre Pfeifen Heinrichs" begehen, zum anderen das 45jährige Bestehen der Firma Peter Heinrichs. Ein solches Ereignis gibt nicht nur Anlass zur Gratulation und Anerkennung dieser unternehmerischen Leistung, sondern auch zur Reflexion und einem Ausblick auf die Zukunft.

Es kommt hinzu, dass Ihnen im Jahre 2009 die außerordentliche Ehre zuteil wurde, in den exklusiven Kreis der "L’Académie Internationale de la Pipe" aufgenommen zu werden, eine ganz besondere Auszeichnung für Sie und eine Anerkennung Ihrer unternehmerischen und gesellschaftlichen Leistungen für den gehobenen Genuss von Tabakwaren, Pfeifen und Lebensgenuss.

Sie dürfen inzwischen weit über 30.000 Liebhaber von Cigarren, Pfeifen und Tabaken zu Ihren Kunden zählen, wobei diese nicht nur in Deutschland ansässig sind, sondern in der ganzen Welt. Wie ist eine solche Entwicklung zu erklären, was ist das Erfolgsrezept Ihres Hauses?

PH: Ich habe von Anfang an versucht, einen anderen Weg als den meiner Kollegen zu gehen: Ich habe jeden einzelnen meiner Kunden, egal, ob „Otto-Normalverbraucher“ oder, sehr viel später, Prominente, gleich behandelt und zwar in dem Sinne, dass mir jeder meiner Kunden gleich wichtig war. Ich habe versucht herauszufinden, was für den individuellen Kunden zählt. Dazu gehört Zuhören, Beraten. Mir ist es völlig egal, ob ein Kunde, der den Laden betritt, leger oder elegant gekleidet ist. Mich interessiert, was er sich vorstellt, was er möchte, damit ich und meine Mitarbeiter ihn angemessen beraten können. Das war von Anfang so und das wird sich auch nicht ändern. Im Laufe meines Arbeitslebens habe ich viele renommierte Fachgeschäfte erlebt, die den Bezug zum ganz normalen Verbraucher und Ratsuchenden verloren haben. Das Ergebnis ist eine sehr starke Ausdünnung von Fachgeschäften in Deutschland. Der Kunde ist letztlich derjenige, der darüber entscheidet, wo er sich gut beraten fühlt und wo er dann auch kauft. Diese Erkenntnis habe ich immer gehabt und das ist mein Credo. Ich lebe von meinen Kunden und nur eine gute und enge Beziehung zu Ihnen führt zu einer langfristigen und gegenseitig befriedigenden Beziehung. Ich versuche, mich in meinen Kunden hineinzuversetzen und ihm das anzubieten, was ihm Zufriedenheit verschafft.

Pum: In den vergangenen Jahren hat sich Ihr Unternehmen stetig erweitert. Sie haben Ihren Stammsitz in Niederaussem und Ihr Ladengeschäft in Köln. Während Sie in Niederaussem zweimal jährlich Ihre inzwischen legendären "Smokers' Nights" veranstalten (zu denen regelmäßig hunderte von Kunden und Freunden des Hauses kommen), haben Sie Ihr Ladengeschäft in Köln erweitert und um einen Highend-Bereich für Handmade Pfeifen der renommiertesten Pfeifenmachern ergänzt. Hinzu kommt die Neugestaltung der großen Humidor-Bereiche und eine sehr umfangreiche Sortimentsgestaltung in feinen Spirituosen.
Wie kommt dieses Konzept bei Ihren Kunden an?

PH: Ich glaube, dass es sehr gut angenommen wird. Unsere Kunden kommen ja nicht nur, um ihren alltäglichen Bedarf an Tabaken oder Cigarren oder Pfeifen bei uns zu decken, sie suchen auch ein Refugium, einen Ort, an dem man – allein oder mit Freunden – in angenehmer Atmosphäre kommunizieren kann, mit einer feinen Cigarre oder mit einer Pfeifenfüllung, vielleicht kombiniert mit einem guten Glas Wein oder einer Rum-Spezialität.

Pum: Wir wissen, dass Pfeifen Heinrichs bei feinen Cigarren eine für Deutschland sehr starke Position einnimmt. Aber sprechen wir einmal über die Pfeife: wie wichtig ist die Filterpfeife für Sie? Sehen Sie eine Veränderung der Gewohnheiten des Rauchers?

PH: Unbestritten ist die Filterpfeife seit den 60er Jahren DER Marktführer in Deutschland. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Man versuchte, die damals noch sehr viel mehr populärere Pfeife weiteren Bevölkerungsschichten zu erschließen, zusammen mit einem erweiterten Tabakangebot, vielfach aromatischen Tabaken. Um die Einführungsprobleme zu erleichtern, waren die Filter sicher ein probates Mittel.
Ein gewisser Teil des Marktes ist allerdings unverändert skeptisch bzw. widersetzt sich dem Filter und zieht filterloses Rauchen vor. Dieses macht insbesondere dann Sinn, wenn hocharomatische Tabake vermieden werden, also eher reine Virginia Tabake geraucht werden, wo es auch keine erhöhte Kondensat-Bildung gibt und auch keinen „Zungenbrand“.
Ich meine, dass heute der Anteil der Filterraucher bei 80 % liegen dürfte.

Pum: Ihre Tabakbar mit Hausmischungen, die zum Probieren einladen, ist sehr vielfältig. Ist dieser Bereich für Sie zunehmend bedeutend?

PH: Ja, wir bieten heute vielen Pfeifenrauchern die Möglichkeit Pfeifentabake zu beziehen, die in ihrer Original-Zusammensetzung aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Es sind Mischungen, die sich weitestgehendst an den Originalrezepturen orientieren.

Pum: In den USA und Europa wird die Gesetzgebung hinsichtlich des "Nichtraucherschutzes" immer rigider und konfrontiert den Genussraucher zunehmend mit Einschränkungen und Verboten. Wie sehen Sie mittel- und langfristig die weitere Entwicklung? Droht uns das allmähliche Verschwinden des Fachhandels?

PH: Der Fachhandel – wenn wir ihn denn so definieren, wie ich es tue – ist ja schon weitestgehend vom Markt verschwunden. Zumeist deswegen, weil er sich vom Markt und damit vom Kunden und seinen Bedürfnissen entfernt hat. Das ist leider eine Realität. Als ich vor vielen Jahren meine Tätigkeit aufnahm, gab es noch eine große Anzahl von Fachhändlern. Heute sind es nur noch einige wenige, die im Marktgeschehen wirklich die Rolle spielen, die den Begriff „Fachhändler“ auch verdienen. Es wird in Zukunft nur der Fachhandel überleben, der die Zeichen der Zeit auch erkennt und die neuen Medien für sich nutzt-

Pum: Unser Forum hat sich von Anfang an der Förderung und Unterstützung des Fachhandels sowie der Pfeifenmacher verschrieben. Aus der anfänglichen Skepsis, die wir durchaus gespürt haben, scheint inzwischen durchaus Anerkennung unserer freizeitlichen Betätigung geworden zu sein. Wie sieht Peter Heinrichs diese Szene?

PH: Wir haben diese Entwicklung von Anbeginn an mit großem Interesse verfolgt. Wir haben durchaus gesehen, dass sich hier eine Vielzahl von gleichgesinnten Tabak-Gourmets zusammen gefunden haben, die miteinander über die Pfeife und Tabake diskutiert haben, was per se für die weitere Verbreitung der Pfeife gut ist. Sicher, es gab auch Ansätze der Kritik: Eine unter Umgehung des Fachhandels stattfindende Direktvermarktung von Pfeifen einzelner Hersteller kann nicht im Sinne des Fachhandels sein. Inzwischen hat sich hier aber auch ein Umdenken gezeigt und immer mehr talentierte Pfeifenmacher wenden sich für die Vermarktung ihrer Produkte dem Fachhandel zu, zu gegenseitigem Nutzen.
Insofern sehen wir in den Pfeifenforen ein eindeutiges Element der Verstärkung in Richtung auf eine intensivierte Kundenbeziehung.
Wir werden in Zukunft auch weiterhin - verstärkt – auf das Internet setzen, um den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Unser Internet-Auftritt wird sich in Kürze dieser Philosophie auch stärker angleichen.

Pum: Herr Heinrichs, wir wünschen Ihrem Unternehmen - und damit auch uns als Pfeifen- und Tabakenthusiasten - weiterhin eine erfolgreiche Zukunft in schwieriger werdendem Fahrwasser. Wir sind davon überzeugt, dass der unternehmerische Geist Ihres Hauses auch diese Zeiten erfolgreich meistert".

(Das Interview mit Peter Heinrichs führte Heinz Schwarzkopf)













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