21.09.2011, 12:07 Uhr
Soziales Netzwerk - ein alter Hut | der Herzog von Croy

Ohne "Soziales Netzwerk" geht anscheinend in den Altersklassen von 10 bis 50 nichts mehr. Legionen von Internetjunkies und modernen "Geschäftstätigen" entblöden sich nicht, unaufgefordert und ohne Not alles von und über sich im Internet zu veröffentlichen, regen sich anschliessend gewaltig über Google`s Street View auf und verbringen immer mehr Zeit als sklavische und kostenlose Lieferanten für Datensammel-Pools wie Facebook. Das nenne ich mal wahre Intelligenz.

Einer der brilliantesten Köpfe, der sich eines Netzwerkes bedient hat, war Emmanuel Herzog von Croy (1718 - 1784), französischer Marschall, Landbesitzer, Chronist seiner Zeit und besessener Tagebuchschreiber. Er war in den europäischen Gesellschaften vernetzt wie selten jemand und hat sich dieser Kontakte intensiv bedient, allerdings ohne sich vollständig in der Öffentlichkeit zu entblößen, wie es heute geschieht.

Seine Tagebücher - immerhin kein zusammenhängendes Werk - hat der Autor und zweifache Tukan-Preisträger Hans Pleschinski erforscht, übersetzt und herausgegeben: ein brilliantes Machwerk der besonderen Art.

Lesevergnügen in einer kultivierten Sprache, Milieuvermittlung und spannende Lektüre zugleich, ruft diese förmlich nach Tabak, Pfeife und angebrachter Flüssig-Geist(licher) Begleitung. Nie zuvor wurde das 18. Jahrhundert besser vermittelt, ja vielleicht sogar erstmals mit solcher Themenvielfalt.

Ein wundervolles, bereicherndes Buch.

Nie zuvor war es herrlicher zu leben
Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croy
Hans Pleschinski
Verlag C.H.Beck
ISBN 978 3 406 621703
24,75 €, gebunden




Ebenfalls zu empfehlen und ein gleichsam
hervorragender Roman des Autors:

Ludwigshöhe
ISBN 978-3 4065 76898

Klappentext
Die drei Geschwister Berg - Clarissa, Monika und Ulrich - machen ein vertracktes Erbe. Ihr Onkel Robert bedenkt sie mit gewaltigen und weit verzweigten Vermögenswerten, allem voran mit einer Villa am Starnberger See. All dies könnte sie auf einen Schlag von ihrem ermüdenden, nicht unbedingt aussichtsreichen Existenzkampf befreien. Aber er macht ihnen eine Auflage: Sie müssen dieses Haus als Hort und Zufluchtsort für Lebensmüde betreiben und ihnen auch das eine oder andere nützliche Utensil bereithalten; nicht nur rechtlich eine Gratwanderung. Voller Skrupel und Ängste, aber auch scharf aufs Erbe öffnen die Geschwister die Villa an der Ludwigshöhe für eine stetig wachsende Zahl von Finalisten . Da findet sich eine verzweifelte Verkäuferin neben dem Bühnenbildner mit gewissen körperlichen Defiziten ein, eine ausgebrannte Lehrerin neben einer vereinsamten Schauspielerin, eine medikamentenabhängige Witwe neben der liebeskranken Domina, ein bankrotter Verleger, aber auch eine erst 17jährige syrische Immanitin, die Angst hat, Opfer eines Ehrenmords zu werden. Während die Geschwister den Keller des Hauses mit praktischen Kühltruhen füllen, machen die Moribunden fast gar keine Anstalten mehr, ihrem dunklen Drang zu folgen. Die alte Villa erlebt ein Fest des Lebens - der kuriosen Beziehungen, Gespräche, Annäherungen und Abstoßungen, neuer Liebe und Lebensmutes - wie es als frisches, zeitgemäßes Panorama und in brillant-unterhaltsamer Form nur Hans Pleschinski inszenieren kann.


Bodo Falkenried
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