16.03.2012, 07:28 Uhr
Foundation und HU-Tobacco: deutsch-italienische Symbiose

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Pfeifenraucher, Pfeifensammler, Tabaksammler – ihnen allen geht der Ruf voraus, das Besondere zu lieben, sich nicht nur auf das Alltägliche einzulassen. Vielfach sind sie Individualisten, die sich gerne vom Unikaten und Seltenen einfangen lassen. Und von den Spezialisten. Das gilt vor allem für den Tabak. Den gibt es in unseren Landen in reichhaltiger Fülle. Als wir noch die monatliche Tabakstatistik geführt haben, konnte festgestellt werden, dass die Forummitglieder weit über 120 verschiedene Tabake rauchten. Und da betrug die Mitgliederzahl knapp die Hälfte der aktuellen.

Gemessen an den meisten Europäischen Ländern ist Deutschland begünstigt. Es gibt (fast) alle Tabake bei unseren Fachhändlern zu kaufen und auch das Online-Angebot ist hervorragend. Zudem sind mit DTM, Planta und Kohlhase & Kopp (K & K) innovative und kompetente Tabakmanufakturen direkt „vor Ort“ und brauchen keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Insbesondere K&K haben es geschafft, sich mit Ideen und Qualität, der –wie wir aus unzähligen Tests erfahren konnten- sich scheinbar nicht alle Tabakhersteller verpflichtet fühlen – in die Oberliga zu spielen. Wenn sie auch gemessen am größten Hersteller der Welt, der Scandinavian Tobacco Group, eine kleine Unternehmung sind, so bedeutet das aber im Sinne des o.a. eher einen Vorteil: sind sie doch in der Lage, auch die Ideen einzelner Blender umzusetzen und so den Spezialisten- und Exotenmarkt zu bedienen. Das gefällt uns.

Als Hans Wiedemann 2010 seine HU-Tobacco vorstellte, waren sie genau auf diesen Interessentkreis ausgerichtet. Raucher, die nicht die übliche Massenware kaufen, die nur erstklassige Qualität akzeptieren und denen es wichtig ist, „Namen und Köpfe“ dahinter zu kennen. Und die Ambition, das Herzblut, das dahinter steht. Das Angebot mit den Serien



• The Original Warehouse Blend
• The Blender`s Pride
• United Passion ...Hommage to my Friends


traf genau den Geschmack der Zeit, tut das heute noch und hat sich schnell in der Szene etabliert.

Da ist es nur folgerichtig, wenn eine angesagte Pfeifenmarke wie FOUNDATION by Musicò, der Nachfolger der aus der Zusammenarbeit mit Paolo Becker und Giorgio Musicò entstandenen Becker & Musicò Pfeifenlinie, für das Konzept einer zur Philosophie der Foundation Pfeifen passenden Tabaklinie eine Zusammenarbeit mit Hans Wiedemann suchte. Über das Zustandekommen dieser interessanten italienisch-deutschen Kooperation und was sie so besonders macht, hat Pfeifen und mehr in München ein Interview mit den beiden Machern - Peter Hemmer von Foundation und dem Tabak-Blender Hans Wiedemann - geführt.



INTERVIEW


Pfeifen und mehr (Pum): Peter, warum wartet Foundation mit einer eigenen Tabakreihe auf, wo doch neben den etablierten Brands wie MacBaren, Orlik, Dunhill, Sam Gawith gerade bei den zahlreichen Händler-Hausmarken ein ziemlich großes Angebot besteht und sich die meisten Tabake nur marginal unterscheiden?
Peter Hemmer (PH): Mit Massimo Musicò habe ich schon lange darüber nachgedacht, eine Tabakreihe zu schaffen, die aufgrund spezieller Komponenten den Charakter unserer Foundation Pfeifen wiedergeben soll: klassische Pfeifenmodelle mit klar erkennbar englischem und italienischem Einschlag, feine Formen in hochwertiger Handwerkskunst und mit einem großen Wiedererkennungswert. Diesen Platz hat Foundation mittlerweile eingenommen und unsere Idee einer eigenen Foundation Tabakreihe trat immer häufiger in den Vordergrund.
Auf der Pfeifenmesse in Lohmar 2011, auf der wir als Aussteller zugegen waren, fiel schließlich der Startschuß. Denn Hans Wiedemann, dessen HU-Tobacco - und vor allem seine Ambition und das Engagement - ich sehr schätzen gelernt hatte - stellte ebenfalls dort aus und schnell waren wir uns einig. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil Hans unsere Pfeifen ebenfalls recht gerne mag. Die "eigene" Tabakreihe ist also eigentlich keine wirklich "eigene", sondern viel mehr eine vielleicht etwas exponierter gestellte HU-Tobacco Reihe, die Hans und ich zusammen entwickelt haben. Überhaupt war diese Zusammenarbeit für mich unglaublich spannend, denn zwischen zahlreichen Tabaksproben und Telefonaten zu sehen, wie Hans auf Begeisterung wie Kritik mit immer überzeugenden Weiterentwicklungen reagiert hat, mit welcher Kreativität er seinen und meinen Vorstellungen, die sehr bald gemeinsame waren, ein Gesicht gegeben hat - das hat mich sehr beeindruckt und schnell war für mich klar, was für ein Glücksfall diese Zusammenarbeit für uns ist.
Pum: Foundation stellt die Pfeifen in eigener Werkstatt in Rom her, an gleicher Adresse befinden sich auch die Verkaufsräume. Klingt nicht gerade nach englischer Pfeifenkultur.
PH: Das täuscht. Man wird sich vielleicht wundern, aber täglich treffen sich in unserem römischen Laden Pfeifenliebhaber, die nicht nur die Anlehnung an englische Klassik bei unseren Modellen lieben, sondern auch vornehmlich Tabake der sogenannten englischen Richtung, also mit gewissem Anteil an Latakia, bevorzugen. Bei uns riecht es einfach nach Latakia und somit war klar, dass die Grundrichtung einer Foundation Tabaklinie Latakia sein muss.



Hans Wiedemann (HW): Als Peter mit der Idee eines Gemeinschaftsprojektes auf mich zukam war ich sofort Feuer und Flamme. Über die Ausrichtung waren wir uns schnell einig. Die Idee, einen „englisch“ aromatisierten Tabak für diese Serie zu entwickeln, habe ich aber wieder verworfen, da so eine Mischung die Marke einfach nicht repräsentiert. Die Tabakserie sollte ja wirklich die Marke Foundation interpretieren und in sich schlüssig sein. Die klare, schnörkellose Formensprache von Foundation spiegelt sich in den vorliegenden 6 Tabaken trefflich wieder. Klar definierte Tabake ohne unnötigen „Firlefanz“, das war der Anspruch. Selbst Black Cavendish wird man vergeblich suchen. Mal mehr, mal weniger Burley, erstklassige Virginias und Latakias. Das ist das ganze Geheimnis. Und wenn jemand das als "old fashioned" empfindet, so war das genau unser Ziel. Dadurch repräsentieren diese Mischungen auch meine bisherige Philosophie des Tabakblendens.
PH: Das interessante an den Foundation Tabaken ist die allen eigene Grundsüße, die eben nicht von künstlichen Zusätzen her rührt sondern ausschliesslich den Virginias und Burleys geschuldet ist.
Pum: Auffallend sind die exotischen Namen, die Ihr Euren Schöpfungen gegeben habt: Tigray, Makhuwa, Zulu, Tuarekh, Khoisaan, Masai und Zulu bringen keine Reminiszenzen an Picadilly, Covent Garden, Mayfair, Chelsea oder Kensington.
PH: Die bei unseren Mischungen verwendeten Tabake wie Burley, Virginia, Perique und Dark Kentucky suggerieren ja ihre Herkunft aus den USA. Das wird einfach so vorausgesetzt. Tatsächlich aber sind diese Tabake heute zum größten Teil in Afrika angebaut, in Tansania z.B. Virginia, Burley in Malawi und Zimbabwe (ehemals Südrhodesien). Dem wollten wir sichtbar Rechnung tragen.
HW: Aber nicht nur die Namen sondern auch die Etiketten weisen mit dem gewählten Layout auf eine afrikanische Herkunft hin. Es ist uns eben wichtig, dass Augenmerk der Tabakraucher auch einmal in die Richtung der Herkunftländer unserer Komponenten zu lenken. Afrikanisches Blattgut gepaart mit Latakia aus Zypern und Syrien. Ohne zugesetzte Flavorings, das ist das Besondere an diesen Mischungen. Lediglich der Masai bildet die Ausnahme. Diese Mischung ist auf einem Honeydew Flake aufgebaut, der ein dezentes Honigflavor erhielt.
Pum: Wo wird die Foundation "Afrika-Linie" erhältlich sein?
HW: Nur im HU-Tobacco Online Shop. Verkaufsstart ist gleichzeitig an dem Ort, an dem vor einem Jahr alles besiegelt wurde: auf der Pfeifenmesse in Lohmar, am Samstag, den 31. März 2012.
Pum: Wir werden am Ende des Berichts die Bezugsquelle mit Link vorstellen. Euch beiden wünschen wir recht viel Erfolg mit den Foundation-Tabaken, die in der Tat nicht nur geschmacklich etwas Neues und Abwechslungsreiches bieten, sondern auch optisch ein schönes Bild abgeben. Danke, dass wir uns schon einmal vorab durch ausgiebige Rauchproben von Qualität und Geschmack überzeugen lassen konnten und auch dafür, dass Ihr uns Rede und Antwort gestanden habt.

Haben gut Lachen: Peter Hemmer, Hans Wiedemann und ihre
gelungenen "englischen Afrikaner".



Das Interview mit Peter Hemmer und Hans Wiedemann führte
Bodo Falkenried am 09. März 2012 in München.


Review - 6 Foundation Tabake
Die "Afrika-Reihe" besteht aus fünf Tabaken, die auf einer Latakiabasis bestehen.
Der sechste - der Makhuwa - bildet die Ausnahme, er ist frei von Latakia.



Khoisaan - ist ein schwarzer, vollwürziger Blend, der aus drei verschiedenen Tabaken besteht. Ungefähr 60% rauchiger syrischer Latakia ist abgemischt mit reichlich Louisiana Perique und kräftigem firecured Virginia aus Tansania . Das Ergebnis ist ein vollwürziger gehaltvoller Blend mit hintergründigen Holz- und Fruchtnoten. Der Khoisaan ist eine komplexe Mischung für den erfahrenen Raucher.




Masai ist ein angenehm süßer, mittelkräftiger Blend. Basis bildet ein honeydew Virginia ready rubbed, abgemischt mit kräftigem Malawi Burley, darkfired Kentucky und etwas syrischem Latakia. Das Ergebnis ist ein gut mittelkräftiger Blend, mit ausgewogener Süße und hintergründig ausbalancierten, dezent rauchigen und schokoladigen Geschmacksnoten.



Tuarekh ist ein klassischer Balkanblend. Reichlich syrischer Latakia und ein Hauch zyprischer Latakia verleihen dem Thouarekh neben würzigen Orientgrades, orange Virginia aus Tansania und einem Hauch Louisiana Perique seinen frischen würzigen Geschmack.



Tigray ist eine mittelkräftige Latakiamischung. Syrischer Latakia, Orienttabake, ein Hauch Malawi Burley und süße Virginia Grades aus Simbabwe kennzeichnen diese Mischung.



Makhuwa ist eine gut mittelkräftige Burley Mischung. Die Basis dieser Mischung besteht aus einem kräftigen, schokoladigen Malawi Burley, abgemischt mit etwas Red Virginia, Louisiana Perique sowie einem Virginia/White Burley Cube Cut Den Makhuwa zeichnen würzige, süße und dezent nussige Geschmacksnuancen aus.



Zulu ist ein rauchig, erdiger Latakiablend. Syrischer Latakia, abgemischt mit etwas darkfired Kentucky, süßem Malawi Burley, Louisiana Perique und würzigem Orient Djebel. Das Ergebnis ist ein kräftig würziger Blend mit rauchig torfigen aber auch dezent süßen und fruchtigen Geschmacksnoten.




Bezugsquelle

HU Tobacco

www.hu-tobacco.de/
hu-tobacco@t-online.de

alle Tabake: 18,60 € / 100g
frachtfrei ab 3 Dosen


Text + Fotos: Bodo Falkenried
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