27.09.2012, 14:14 Uhr
LITERATUR | Helmut Kohl und der Menassische Landbote


Biografien über Helmut Kohl gibt es einige, nun aber legt der herausragende Politologe, Historiker und Zeitgeschichtler Hans-Peter Schwarz die erste, wissenschaftlich basierende vor. Und setzt gleich Maßstäbe, wenn zukünftig des gesamte Leben eines der wichtigstens, noch lebenden Zeitzeugen und Zeitmitgestalter des 20 Jahrhunderts beschrieben werden wird.



Helmut Kohl spaltet unverändert - im Positiven wie im Negativen. Unzweifelhaft ist seine Bedeutung für uns Deutsche, aber auch für Europa, das ohne ihn nicht denkbar ist. Schwarz gelingt es natürlich, den Politiker und den Menschen Kohl losgelöst von jeglicher Kolportage nahezubringen und als Wissenschaftler die zur Darstellung notwendige, analytische Beschreibung vorzulegen, ohne je die Tonart der Lehrenden und Belehrenden anzunehmen.

Dieses ist ein ernsthaftes Buch mit einem ernsthaften Thema aus einer ernsthaften Zeit, die die meisten von uns als Umbruch erlebt haben. Und wir werden klüger, vielleicht einsichtiger und vielleicht verständsvoller dem ehemals schwarzen Riesen Helmut Kohl gegenüber. Absolut lesenswert.




Gleiches gilt für das neueste Essay von Robert Menasse, obwohl man hier den ernsthaften wissenschaftlichen Ansatz nicht erwarten kann, was auch vom Autor nicht behauptet wird. Als Essayist und Romancier, dem man allenfalls noch den Philosophen moderner Prägung zubilligt, ist er dazu auch nicht in der Lage.

Der Europäische Landbote: die Wut der Bürger und der Friede Europas ist eine bemerkenswerte Streitschrift, der es auf knappen 100 Seiten zwar nicht gelingt, Überzeugung zu schaffen, aber als nettes Schwadronieren mit österreichischer Leichtigkeit und teilweise intelligenten Denkansätzen durchaus ein angenehmes Lesevergnügen verschafft. Nicht mehr als das, aber immerhin lohnenswert.

Räsoniert Menasse allerdings über die deutsche Befindlichkeit bei der durchaus grenzwertigen Verwendung deutscher Steuergelder, dann kommt er mir vor wie der Blinde, der von der Farbe redet. Wenn auch die Wort- und Schreibwahl gekonnt ist, so bleibt der Inhalt bei diesem Teil des Essays bar von Logik und Realität. Da begibt sich der 58jährige Wiener auf ziemliches Glatteis (Hader oder Resitaris machen so etwas -wenn auch mit einem anderen Anspruch - besser!), was beim Lesenden aber höchstens ein leichtes Kopfschütteln erzeugen wird.

Vielleicht aber haben den Autor auch die zahlreichen Auszeichnungen, die er für sein bisheriges Werk erhalten hat, ein wenig, um mit einem seiner Titel zu sprechen, ohne Eigenschaften gelassen. Ansonsten liefert die Schrift interessanten, lebendigen Lesestoff und einen herrlichen Kontrast zur Kohl Biografie. In jedem Fall, was die Bedeutung des Ex-Kanzlers für Europa betrifft. Ebenfalls absolut lesenswert.

Bodo Falkenried


Helmut Kohl: Eine politische Biographie

Hans-Peter Schwarz
Gebundene Ausgabe: 1056 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; Auflage: 2 (3. September 2012)
ISBN-10: 3421044589
ISBN-13: 978-3421044587
34,99€


Der Europäische Landbote: die Wut der Bürger und der Friede Europas

Robert Menasse
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: Paul Zsolnay Verlag (24. September 2012)
ISBN-10: 3552056165
ISBN-13: 978-3552056169
12,50€



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