07.09.2014, 20:31 Uhr
Dunhill Durbar - eine weitere Wiederkehr des Guten


Seit einigen Wochen sind bekanntlich zwei „neue“ Dunhill-Tabake in Deutschland erhältlich: Der Aperitif und der Durbar. Beide Tabake waren auf dem deutschen Markt schon lange verschwunden und die auf dem US-Markt noch etwas länger erhältlichen Versionen dürfte hierzulande kaum einer kennen. Ich selbst hatte nur einmal Ende der 90er eine Dose Aperitif aus den USA geraucht und muß sagen, daß der Tabak auf mich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Umso größer war die Neugier als ich die ersten Gerüchte einer Neuauflage wahrgenommen habe. Aber was sind das eigentlich für Tabake?



Neben dem „Early Morning Pipe“ und dem „Nightcap“ war der „Aperitif“ der dritte Tabak, den Dunhill 1951 auf den Markt brachte. Wie die ersten beiden ist der „Aperitif“ eine rauchig-englische Mischung, die sich hinsichtlich Stärke und Intensität zwischen den beiden anderen einordnet.

Die originale Beschreibung: A mixture so blended that with or without conventional liquid accompaniment a pipeful will leave the appetite keen and the palate eager.

Da mir der Aperitif nicht so sehr zusagt – es handelt sich um eine anständige, Virginia basierte englische Mischung, die am Anfang ganz schöne, leicht nussige Geschmacksnuancen entwickelt, alles in allem aber bis zum Ende hin etwas eintönig bleibt und so den Vergleich mit den hier auf dem Markt erhältlichen TOP-Engländern meiner Meinung nach nicht wirklich besteht – möchte ich mich in diesem Review auf den Durbar konzentrieren, der mir wesentlich interessanter erscheint.



Der „Durbar“, das werden vielleicht die wenigsten wissen, ist Dunhill'sches Urgestein und zusammen mit dem „Royal Yacht“ nach dem „My Mixture 965“ die älteste erhältliche Dunhill-Mixture. Wie der „Royal Yacht“ wurde er 1912 am Markt eingeführt und bis in die 90er ununterbrochen verkauft, lediglich in den 60ern nicht als „Durbar“, sondern als „My Mixture 1066“ (mit dem expliziten Hinweis, es handele sich eigentlich um „Durbar“, was aber trotzdem manche Raucher veranlaßte, zu behaupten, daß es sich um zwei verschiedene Tabake handelte...)

Im Dezember 1911 wurden König George V. und Queen Mary in Delhi im Rahmen einer gigantischen Zeremonie „The Delhi Durbar“ in Anwesenheit aller indischen Fürsten mit ihren Hofstaaten und 20000 englischer Soldaten als Kaiser und Kaiserin von Indien bestätigt und gekrönt. Die orientalische Zeremonie wurde dank eines Filmes zum medialen Großereignis in England und offensichtlich machte die nationale Begeisterung auf Alfred solchen Eindruck, daß der Tabak nach der Zeremonie Gewinn versprechend „Durbar“ genannt wurde...


Quelle: open source

Die originale Beschreibung: The rare Eastern tobaccos of which this mixture is composed impart a subtle charm which soothes, mystifies and fascinates, extremely mild, extremely cool, qualities rarely found in combination.


Quelle: Alfred Dunhill, About Smoke

Die aktuelle deutsche Beschreibung: Ein hoher Anteil reifer, dunkler sowie gelber Virginias, vereint mit Latakia und Orient-Blattgut. Wundervolle Balance, sanft im Geschmack, mit floraler und dezent rauchiger Note.

Der Durbar ist eigentlich eine Virginia-basierte englische Mischung, bei der der Orient mit einer anständigen aber nicht zu dominanten Portion Latakia den Virgina balanciert. Dieses Wechselspiel zwischen Orient und Virginia prägt den Tabak vom Anzünden bis zum Ende ohne qualitative Einbußen zum Ende hin und alles passiert vor der mächtigen Kulisse zyprischen Latakias, der mit seiner ätherischen Rauchigkeit die Erdigkeit der Basis bereichert.

Der Durbar schmeckt vom ersten Zug an und wird bis zum Ende hin keinen Moment lang eintönig. Man empfindet ihn nie als Latakia-Bombe, obwohl er eine anständige Portion besitzt, der Orient macht immer wieder auf sich aufmerksam und die Virginia-Anteile bilden die zusammenhaltende Linie wie die Streicher in einem Orchester. Die Geschmacksnuancen von „erdig“, „süß“, „frisch/grün“ zu „rauchig“, dabei weder leicht noch schwer, lassen den Durbar zu einem wirklichen Tabakerlebnis werden!



Dabei raucht sich der Tabak wie in den Ankündigungen versprochen, kühl und problemlos bis zum Ende hin. Alles in allem ist der Durbar ein eher weicher Tabak und hat nichts Forderndes, was ihn auch zu einem perfekten Alltagstabak macht. Die „wundervolle Balance“, die uns die Ankündigung verspricht, kann man nur dreimal dick unterstreichen: der Durbar ist in jeder Hinsicht eine perfekt gemachte English Mixture! Für mich der absolute Solitär unter den aktuellen Latakia-Mischungen aus dem Hause Dunhill. Die nächste Verwandte, die auch recht anständige London-Mixture ist da im direkten Vergleich doch deutlich schmalbrüstiger.

Mein persönliches Fazit: Eine weltklasse Mixture, die ihr Geld absolut wert ist! Ich kann ihn nur empfehlen. Nur eines muß ich dabei wirklich bedauern: ich kenne keine der Vorgängerversionen...

Peter Hemmer


Dunhill Durbar
Import: Kohlhase & Kopp
50 g flache Runddose
12,75 €


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