15.09.2009, 12:59 Uhr
Das Oktober-Buch: Leon de Winter - Das Recht auf Rückkehr


Im Jahr 2048 wird Israel den hundertsten Geburtstag seiner Staatsgründung feiern. Wird es das? Unwahrscheinlich, wenn Israel bis dahin einen solchen Sack voller Probleme hat, wie ihn der niederländische Schriftsteller Leon de Winter in seinem (Zukunfts?) Roman "Das Recht auf Rückkehr" ausschüttet. So die FAZ in einer Besprechung des neuesten Romans des nicht unumstrittenen Erzählers.

Leon de Winter ist ein beachtlicher und bedeutender niederländischer Autor, der richtig erzählen kann. Als orthodox jüdischer Zeitgeist zieht sich das Thema Antisemitismus durch sein Oeuvre und führt zu einer nicht einheitlichen Bewertung aus seinem Umfeld und darüber hinaus. Kulturell radikal, standfest in der Einschätzung und Äußerung über die islamische Welt, wohl auch in der vergangenen aber nicht vergessenen Betroffenheit seiner Familie begründet, liefert der Autor eine Fiktion ab, die fesselnd bedrückt und trotz einer prägnanten Schreckensvision dennoch ein packendes, beklemmendes Leseabenteuer ist. Was keinen Widerspruch darstellt.

Tel Aviv im Jahre 2024. Israel ist bis auf einen schmalen Streifen Land am Meer zusammengeschrumpft, an dessen starkbewachten Grenzen Gendetektoren stehen, die die DNA der Einreisenden auf ethnisch-jüdische Merkmale überprüft. Eingekesselt von islamistischen Gottesstaaten. Es lebt nur noch eine überaltete Minderheit ohne Kinder in diesem „amputierten“ Israel. Was mit den Kindern geschehen ist, stellt den perfiden Nukleus des Romans dar, so dass hier nicht weiter darauf eingegangen werden kann, soll die Spannung nicht entzogen werden.

Übrigens: das Thema ist keineswegs nur reine Fiktion. Vor allem die ägyptische und osmanische Geschichte (Mamelucken und Janitscharen) zeigt auf, dass die Entführung und radikale Umerziehung von Kindern besiegter Völker und deren Verwendung als Krieger gegen ihre Geburtsländer durchaus Tradition hat. Dieser Gedanke liegt dem „Recht auf Rückkehr“ zugrunde.

Randnotiz: da wird mit dem seit 22 Jahren als Kulturminister des Israel-Nachbarn und Friedensvertragspartners (!) Ägypten agierende Faruk Hosni ein Mann wahrscheinlich neuer Unesco Generalsekretär, der im vergangenen Jahr noch israelische Bücher aus der Bibliothek von Alexandria verbannen und verbrennen wollte, so sie denn dort vorgefunden worden wären. Das allerdings geschah im Jahre 2008 und bis zum Zeitpunkt des fiktiven de Winter Szenarios wird der heute 71-jährige Hosni wohl längst seine letzte Nilfahrt angetreten haben. Ein Seitenlicht auf de Winters neuesten Roman sei aber gerichtet.

Nachsatz 12.10.2009: Hosni hat sein Ziel verfehlt. Neue Unesco Generalsekretärin ist die bulgarische EU-Politikerin Irina Bukowa.

Leon de Winter
Das Recht auf Rückkehr
• Gebundene Ausgabe: 549 Seiten- 22,90 €
• Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (25. August 2009)
• ISBN-10: 325706733X
• ISBN-13: 978-3257067330


Bodo Falkenried
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